Den Blick auf das Positive lenken in turbulenten Zeiten

Schierensee im Wankendorfer Seengebiet, Foto: Ute Regina Voß
Schierensee im Wankendorfer Seengebiet, Foto: Ute Regina Voß

Liebe Anlegerinnen und Anleger, liebe Leserinnen und Leser,

 

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche.
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

 

Dieser Monolog aus dem „Faust“ von Goethe gibt mir zumindest ein bisschen Hoffnung, dass sich mit den nun länger werdenden Frühlingstagen ein wenig mehr Licht und Wärme nicht nur in der Natur, in Haus, Hof und im Gemüt der einzelnen Menschen ausbreitet. Sondern auch in Bereichen wie der Flüchtlingspolitik, dem IS Terror, der schwächelnden Wirtschaft Chinas und der unter anderem damit einhergehenden Nervosität an den Börsen.

 

 

Falls es die Kraft des Lichtes nicht schaffen wird, auf diesen eher negativen Feldern mehr positive Energie zu verbreiten, dann wird sie aber hoffentlich dafür sorgen, dass wir es - trotz allem - schaffen, unseren Blick auf das zu fokussieren, was alles gut bei uns im Leben läuft:

Wir wohnen in Deutschland, in einer Demokratie mit einem Gesundheitssystem, das zu den besten weltweit gehört. Bei uns hat fast jeder ein Dach über dem Kopf, fließendes Wasser und „sein täglich Brot“ auf dem Teller.

 

Vielleicht freuen Sie sich darüber, dass Sie generell gesund sind. Über Ihre Arbeit oder Ihre Hobbys. Über Ihren Partner, die Kinder oder Enkelkinder. Über einen Sonnenuntergang am Meer oder den Geruch von frisch gemähten Gras bei einer Almwanderung. Über einen frischen Blumenstrauß auf dem Küchentisch, über ein gutes Buch, ein Konzert bei Johann Sebastian Bach oder Udo Lindenberg.

 

Ich habe in den letzten Tagen mal wieder mit meinem Vater zusammen gesessen. Er ist 102 Jahre alt, also 1913 geboren. Er hat immer gern getanzt, gesungen, gelesen, ist bis heute ein Menschenfreund, positiv, dankbar, köstlich humorvoll und neugierig. Als ich ein Foto von ihm mit meinem Smartphone machte, um es dann gleich an meine Tochter zu senden, meinte er mit großen Augen staunend: „So schnell geht die Entwicklung? Dann kann man das Foto sofort versenden, bekommt gleich eine Antwort zurück und telefonieren kann man mit dem Apparat auch noch. Enorm, was es heutzutage alles gibt!“

 

Mein Vater ist Siebenbürger Sachse, in Rumänien geboren und als junger Mensch nach Deutschland gekommen. Ursprünglich nur, um für ein Jahr als Praktikant hier zu arbeiten. Doch dann brach der 2. Weltkrieg aus, seine Eltern und seine Schwester sind nach Sibirien deportiert worden und dort irgendwo umgekommen. Er hat sich dann entschlossen in Deutschland zu bleiben.

Mein Vater hat - unter anderem - die Erfindung des Fernsehapparates, den Fall der Mauer, aber auch zwei Weltkriege, den Verlust der Heimat, eine Währungsreform, die Umstellung der D-Mark auf den Euro oder die Zeiten der Roten Armee Fraktion mit erlebt. Bei allen diesen Ereignissen hat er es immer geschafft, auf das zu schauen, was trotz allem positiv in seinem Leben war und immer dankbar dafür zu sein. Ob es nun seine Arbeit, seine Familie oder ein kühles Bier an einem lauen Sommerabend auf der Gartenbank war. Nicht nur deswegen schätze ich ihn sehr.

 

Also, genießen Sie die Frühlingszeit. Sorgen Sie gut für sich selbst. Bleiben Sie optimistisch und neugierig. Denn das hält schließlich jung! 

 

Sonnige Grüße von der Kieler Förde

Ute Regina Voß

 

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