Fonds Kongress in Mannheim

Fonds Kongress in Mannheim

Der 18. Fonds Kongress hat Ende Januar in Mannheim stattgefunden. Was für eine Veranstaltung auch wieder in diesem Jahr! Über 6000 Teilnehmer, überwiegend männlich,  waren zu dem zweitägigen Meeting im Kongresszentrum Rosengarten in Mannheim angereist. Dutzende von Informationsständen großer und kleiner Fondsanbieter und über 200 Vorträge zeitgleich in 12 Sälen boten reichlich Möglichkeiten, sich zu informieren und zu diskutieren. Es hat sich wieder gelohnt, auch wenn mir am Ende der Kopf rauchte und die Füße wehtaten.

Vortrag von José Manuel Barroso: Rettungsboote im Sturm gebaut

Der erste Tag der Veranstaltung wurde mit einer Rede des ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, eröffnet. Barroso hob die finanz- und geldpolitischen Errungenschaften der EU heraus. In der Finanzkrise 2008, die mit dem Platzen unsolider Immobilienkredite in den USA ihren Auslöser fand, mussten „im Sturm Rettungsboote gebaut werden“, welche heute Staatshaushalte und Banken sicherer gemacht haben. Die damalige Euro-Skepsis der meisten Geldinstitute hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, denn durch die aktuelle isolationistische amerikanische Politik steigt die Bedeutung des Euros als Handelswährung weltweit.

 

Barroso beendete seine Rede mit einem starken Plädoyer für eine starke EU, wobei die deutsch-französische Freundschaft ein wichtiges Standbein sei. Kein europäischer Staat könne heutzutage in einer globalisierten Welt seine Probleme allein lösen. Zitat: „Wenn Europa nicht den Willen hat, stark zu sein, dann bleibt es schwach und wird schwächer.“

Vortrag von Friedrich Merz: Aktuelle Weltpolitik

Mit einem starken Plädoyer für die Europäische Union endete auch der Vortrag von Friedrich Merz, Aufsichtsratsvorsitzender von Blackrock Deutschland und ehemaliger Mitbewerber um den Vorsitz der CDU. Zuvor nahm er Stellung zu den aktuellen politischen Situationen in den USA und in Großbritannien. Die gesellschaftliche Spaltung in den USA ist keine aktuelle Erscheinung, sondern ein seit Längerem schwelender Prozess, der auch nach Donald Trump nicht beendet sein wird, eher verstärkt wird. Beim BREXIT geht er davon aus, dass zum offiziellen Austrittstermin eine Entscheidung zum ob und wie nicht gefallen sein wird. Der wirtschaftliche Schaden wird in jedem Fall für Großbritannien größer sein als für die Staaten der EU. Chinas Einfluss in der Welt wird steigen, weil die dortige Führung einen Plan für die Zukunft hat. Insbesondere in Afrika und Südamerika baut China seine Handelsbeziehungen mithilfe massiver finanzieller Förderung stark aus. Die EU und deren Mitglieder seien zu zögerlich und in ihrer Entwicklungshilfepolitik zu heterogen. Es droht die Gefahr, dass Chancen vertan werden.

 

Abschließend erläuterte er noch seinen Vorschlag, zur Ergänzung der privaten Altersversorgung in Wertpapiere zu investieren. Die langfristige Rendite sei deutlich höher als das (gegenwärtige) Zinsniveau!

Vortrag von Joachim Fels: Wie wird das Jahr 2019?

Der sehr informative und detaillierte Vortrag des Chefökonom vom Fondanbieter PIMCO beschäftigte sich mit dem ökonomischen Ausblick auf die nächsten Jahre. Seine Ausführungen bestätigten im Wesentlichen meine eigenen Einschätzungen, die Sie in meinem letzten Newsletter finden. Für das Jahr 2019 sieht er keine gravierenden Rückschläge voraus. An den Börsen wird es in diesem Jahr noch langsam aufwärts gehen, allerdings mit einer größeren Volatilität. Für die Zeit danach mahnt er größere Aufmerksamkeit an. Zwar dürfte sich die Konjunktur langsam abkühlen, aber eine Rezession sei nicht in Sicht.

 

Die größeren Probleme drohten jedoch durch die Politik. Wie andere Redner warnte er vor den wirtschaftlichen Risiken durch populistisch-separatistische Bewegungen, die zu Gefahren für den Welthandel führten. Am BREXIT dürfe man sich auf keinen Fall orientieren. Freier Warenaustausch sei die unabdingbare Voraussetzung für allgemeinen gesellschaftlichen Wohlstand und damit auch für politische Stabilität.

Kongress Schwerpunkt: Nachhaltigkeit

Als besonderer Schwerpunkt des Kongresses kristallisierte sich das Thema Nachhaltigkeit heraus. Viele Fondsanbieter wagen sich jetzt auf dieses Feld, in dem sich in der Vergangenheit leider etliche windige Akteure bewegten. Mittlerweile bildet sich eine konsistentere Philosophie heraus, die Vertrauen in diese Kategorie von Produkten schaffen soll, die sogenannte ESG Philosophie (Environment, Social, Governance). Dazu gehört eine Auswahl von Firmen nach festen Kriterien wie das Vorhandensein von langfristig wirksamen Firmenentscheidungen, das stärkere Berücksichtigen der Shareholderinteressen, die Anpassung der Geschäftsfelder an gesellschaftliche Bedürfnisse, sowie vor allen Dingen Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen. In diesem Zusammenhang wurde öfter der stärker zu berücksichtigende Klimawandel mit seinen ökonomischen Folgen erwähnt.