Was ist los auf den Märkten?

Markt in Marrakesch, Foto Ute R. Voß
Markt in Marrakesch, Foto Ute R. Voß

Verstehen Sie noch, was gerade so alles in der Welt abläuft?

Die Dinge, die ich in den beiden letzten Newslettern angesprochen habe, sind immer noch auf der Tagesordnung und treiben ihr Unwesen: der BREXIT, Donald Trump und seine wirtschaftlichen „Kriegserklärungen“, der Klimawandel oder das Wohnungs- und Mietenproblem. Und es sind neue hinzugekommen: Der Nahe Osten mit seinen gegenseitigen Unverträglichkeiten, Hongkongs Wehr gegen stärkeren chinesischen Einfluss, der brennende tropische Regenwald und all die vielen anderen großen und kleinen Probleme. Die unstete Politik bestimmt weiterhin den Einfluss auf Märkte und Börsen. Eigentlich könnte ich meinen letzten Newsletter noch einmal versenden. Allerdings, es scheint einige grundsätzliche, interessante Wendungen zu geben, die Hoffnung machen: Vielen politischen Scharfmachern scheint die Luft auszugehen. Man wehrt sich erfolgreich.


BREXIT – vielleicht doch noch ein glückliches Ende?

Der BREXIT treibt auf seinen dramaturgischen Höhepunkt zu. Am 31. Oktober ist – vorläufiger - Showdown. Boris Johnson, britischer Premierminister, erinnert in seinen Aktionen an einen immer größer werdenden Luftballon, der unaufhaltsam dem Platzen zustrebt. Nicht nur die Tories, auch Labour ist sich in dem, was man will, nicht einig. Mittlerweile scheint vielen Briten klar zu werden, dass das Auseinanderbrechen des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland droht. In Schottland werden separatistische Stimmen wieder lauter und in Nordirland schließen selbst radikale Englandfans nicht mehr aus, dass aus wirtschaftlichen und Friedensgründen eine Vereinigung mit der Republik Irland sinnvoll sein könnte. Die Regierung gesteht nun heftigere Versorgungsengpässe ein. Die Wissenschaft befürchtet ein Abschneiden von den Fördertöpfen der EU, von denen gerade sie besonders abhängig ist. Wer neulich im Fernsehen die Übertragung der „Last night of the Proms“ gesehen hat, dem sind vielleicht die vielen EU-Fähnchen und Mützen des Publikums aufgefallen. Hoffentlich findet das unsägliche Thema BREXIT doch noch ein glückliches Ende.

 

Donald Trump – hat der Kaufmann in ihm die Oberhand genommen?

Donald Trump hat seinen größten Scharfmacher, John Bolton, gefeuert. Hoffen wir, dass sein Nachfolger etwas "friedliebender" ist. DT‘s Unlust auf kriegerische Abenteuer hat sich wohl durchgesetzt. Seine Weigerung, wegen der Probleme im Roten Meer nicht militärisch über den Iran herzufallen, war wohl ein kleiner Fingerzeig. Ob man im Iran den Fingerzeig verstanden hat? Vielleicht hat in Trump der Kaufmann die Oberhand gewonnen, der gesehen hat, dass die Politik des Bestrafens und der Konfrontation in den USA mehr wirtschaftlichen Schaden anrichtet als Wohltaten erzeugt. Und demnächst stehen Präsidentschaftswahlen in den USA an.

 

China, der Handel und Hongkong

China scheint die Zurückhaltung von Donald Trump zu goutieren. Dort ist man – möglicherweise - ebenfalls zu der Einsicht gekommen zu sein, dass globaler Warenaustausch mittlerweile ein teures Gut ist, das man nicht ohne weiteres riskieren sollte. Nachdem Angela Merkel auch bei ihrem letzten Besuch klar gemacht hat, dass Handel durch politische Unsicherheiten und Unruhen gefährdet wird, hält sich die chinesische Regierung in Hongkong erstaunlicherweise zumindest mit brachialen Gewaltaktionen zurück. Problemlösungen à la Tianamen-Platz gehen wohl nicht mehr, denn Hongkong ist ein wichtiges Wirtschaftszentrum, in dem viele ausländische Firmen agieren. Der Empfang des dortigen „Rädelsführers“ beim deutschen Außenminister hat dem entsprechend auch „nur“ zu einer diplomatischen Aktion geführt. Drohgetöse ist bislang ausgeblieben.

 

Brasilien fackelt den Regenwald ab

In einer global vernetzten Welt, wo jeder von jedem irgendwie abhängig ist, erweisen sich Bestrafen oder politischer Egoismus, auch Nationalismus genannt, mehr und mehr als untaugliche Werkzeuge. Ein Beispiel ist das Abfackeln des tropischen Regenwaldes im Amazonas-Becken. Nachdem Staatspräsident Jair Bolsonaro in Brasilien klar gemacht worden ist, dass er sich das MERCOSUR-Abkommen mit der EU abschminken kann, wenn er von seinen Kumpeln den Regenwald abfackeln lässt, um Acker- und Weideland daraus zu machen, hat er wohl seine Meinung geändert und ist einem Abkommen zum Schutz des Regenwaldes beigetreten. Allerdings, man wird ihm weiter auf die Finger schauen müssen. Das gilt aber auch für jene Staaten in Afrika und Asien, die leider nicht so im Fokus standen, obwohl dort ebenso kräftig brandgerodet wird - unter anderem wegen unserer Konsumbedürfnisse.

 

Weltweiter Klimawandel und Nachhaltigkeit

Damit haben wir den Einstieg in das Thema Klimawandel geschafft. Ein großes, sehr komplexes Thema, in dem alles mit allem zusammenhängt. In dem es viele Wahrheiten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten gibt. Ein Thema, bei dem jetzt etwas Unglaubliches geschehen ist: Seit einigen Jahrzehnten warnt die Wissenschaft vor dem Klimawandel und seinen natürlichen und ökonomischen Folgen. Tausende von Wissenschaftlern haben an den dicken Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) oder auch „Weltklimarat“ mitgearbeitet, Fakten gesammelt, Modellrechnungen durchgeführt, einen riesigen Aufwand betrieben, um den Klimawandel und seine Folgen nachzuweisen. Hatte es etwas gebracht? Klares NEIN! Der Begriff Alarmismus hat zu der Einstellung geführt, es würde wohl schon nicht so schlimm werden. Doch nun taucht plötzlich eine junge Frau mit Zöpfen aus Schweden mit einem Pappschild auf: Greta Thunberg. Die Meinungen über sie sind sehr unterschiedlich und liegen teilweise auch sehr weit auseinander. Sie hat dafür gesorgt, dass sich endlich nicht nur etwas, sondern sehr viel zu diesem Thema bewegt. Plötzlich versucht in Deutschland eine konservative Partei, die bislang eher beim Thema Klimawandel gebremst hat, alle anderen Parteien auf der „grünen“ Seite zu überholen. Aus der Anpassung an die Erderwärmung werden spannende technische und gesellschaftliche Innovationen wachsen. Es wird eine Menge Geld locker gemacht, das wiederum in die Wirtschaft fließt.

 

Doch wie schaut es in China und den USA aus? Die beiden Länder sind die beiden größten Verursacher von Treibhausgasen. Bei den Chinesen wird erwartet, dass sie bedeutend sensibler mit dem Thema umgehen werden. Donald Trump will aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen.

 

Der Klimawandel ist eine - weltweite - Aufgabe, die uns alle angeht. Staat und Gesellschaft – das sind WIR und gleichzeitig jede oder jeder einzelne von uns. Hysterie, lähmende Angst, Ideologie, Dogmatismus oder blanker Hass und Aggression – das bringt nur Leid, kostet viel Energie und hilft nicht weiter. Stattdessen sollten wir uns zielgerichtet auf Lösungen konzentrieren, einander zuhören, Chancen erkennen, tatkräftig an die Umsetzung von konstruktiven Projekten gehen – und schauen, was wir selbst im täglichen Leben ganz konkret ändern können. An dieser Stelle fällt mir mal wieder Martin Luther ein: Und wenn ich wüsste das morgen die Welt untergeht, so würde ich noch heute einen Apfelbaum pflanzen!

 

Wie schaut es nun an den Börsen aus?

Um es gleich vornweg zu sagen: Es sieht recht optimistisch aus! Es scheint zumindest aktuell so zu sein, dass die wirtschaftlichen Aussichten in etwas geringerem Maße durch politische Risiken belastet werden. Eine zentrale Frage war, ob eine Rezession in den kommenden 12 Monaten unvermeidlich ist. Die Antwort der Expertinnen und Experten in der Finanzwelt lautet: Nein.

Unabhängig davon wird viel von einer Einigung der Präsidenten Xi und Trump im Handelskonflikt abhängen. Wie dies ausgeht, ist unklar; die jüngsten Entwicklungen waren jedoch recht günstig.

 

Ansonsten: Die vielen politischen Kamikaze-Aktionen weltweit, das Lamentieren wegen - potentieller - wirtschaftlicher Rezessionen usw. haben zwar die Kurse fluktuieren lassen, wie ich es auch vorausgesehen hatte. Aber ich registriere eine Grundtendenz zu steigenden Kursen. Unter all dem lautstarken Pessimismus, der durch die Medien geistert, scheint es im Untergrund einen Optimismus zu geben. Seltsamerweise auch in Deutschland. Deutlich wird das unter anderem bei den Angriffen auf die saudi-arabischen Ölanlagen, die nur 1% des in Deutschland verbrauchten Öls liefern. Früher wäre die Panik ausgebrochen, doch dieses Mal sind die Preise an den Tankstellen unverändert geblieben.

 

Fazit: Zurzeit scheint die Sonne an den Börsen. Doch es wird auch immer mal wieder kräftigere Gewitter und Schauer in Form von Rückschlägen geben. Das gehört einfach dazu! Trotz allem hat es beispielsweise der DAX seit seiner Auflegung geschafft, eine Durchschnittsrendite von rund 8 Prozent pro Jahr zu erzielen.

 

Wer sein - nicht benötigtes - Geld auf dem Girokonto oder Tagesgeldkonto liegen lässt, gehört bei der Null- und Minuszinspolitik in Verbindung mit der Inflation eindeutig zu den Verlierern! Wer hingegen sein Geld, dass in den nächsten 7, 10 oder mehr Jahren nicht benötigt wird, weltweit breit gestreut in offenen Investmentfonds anlegt, kann es schaffen, Renditen zu erzielen, die für ein „warmes Lächeln im Gesicht“ sorgen.

 

Was Sie dazu brauchen: Einen langen Atem, das Vertrauen in die Welt an sich, in die Wirtschaft und in die Börsen, den Blick auf Chancen, die Tatkraft endlich loszulegen mit dem Investieren statt sich „zu Versparen“ sowie Ruhe und Zuversicht, wenn es an den Börsen ab und mal tüchtig rummelt. Übrigens, Thema Klimawandel: Es gibt immer mehr - ganz unterschiedliche -„grüne“ Fonds. Für alle Anlegerinnen und Anleger, denen es wichtig ist, ihr Geld in nachhaltige Investments anzulegen.