Was ist los auf den Märkten?

Markt in Marrakesch, Foto Ute R. Voß
Markt in Marrakesch, Foto Ute R. Voß

Wie habe ich mit meinen Prognosen gelegen? Zentrale Botschaft war: Es wird weiterhin einen stärkeren politischen Einfluss geben. Die Kurse werden sich aber positiv entwickeln. So ist es denn auch tatsächlich gekommen. Selbst wenn der Mai an den Börsen relativ kräftig durchgeschüttelt wurde. Dafür sah es dann aber im Juni schon wieder recht freundlich aus: Seit den Tiefstständen zum Jahreswechsel haben sich alle für meine Anlegerinnen und Anleger im Investmentfondsbereich wesentlichen Indizes wie DAX, EUROSTOXX, DOW Jones und S&P500 bis jetzt um circa 13% nach oben bewegt. 

 

 

Eine Ausnahme bildete der MSCI World, der sich nur geringfügig positiv entwickelte. Die Gründe für den Tendenzwechsel liegen auf der Hand: Beispielsweise der BREXIT. Neue negative Impulse gibt es durch die weitere Uneinigkeit in der britischen Politik. Die britische Premierministerin hat ihren Rücktritt angekündigt und bleibt im Amt, bis ein Nachfolger gefunden ist. Selbst wenn in absehbarer Zeit ein/eine Kandidat/in gekürt werden sollte, wird diese/r die Probleme nicht lösen, unter welchen Bedingungen man mit der EU verbandelt bleibt. John Bolton, der Mann in Donald Trumps Ohr, drängt nun auch noch die Briten zum Austritt. Aber ob ein Rat von dort ein guter ist? Die britische Wirtschaft scheint nicht der Meinung zu sein. Wir sind gespannt, wie es weiter gehen wird.

 

Donald Trump, ach ja. Nachdem es bei den Wirtschaftsverhandlungen mit China wohl eher schleppend voran geht, hat er sich auf Japan gestürzt. Ein Krieg mit dem Iran anzuzetteln, davor konnte er wohl noch gebremst werden. Und weil ihm noch zu viel Migranten über Mexico zuwandern, will er diesen Nachbarn auch noch mit höheren Steuern „verhauen“. Dass seine Wirtschaftsverbände darauf hinweisen, es würde sich negativ auf die US-Wirtschaft auswirken, stört ihn offenbar kaum. Mal schauen, ob und wie er noch im Nachhinein auf Angela Merkels Rede vor der Harvard University reagieren wird.

 

Europa: Die Wahlen zum EU-Parlament haben einige Überraschungen präsentiert. Konservative und Sozialdemokraten bleiben zwar die stärksten Fraktionen im Parlament, mussten aber beträchtliche Verluste einstecken. Zugelegt haben Liberale, Grüne und Nationalisten. Letztere sind eher europafeindlich, wohl vergessend, dass gerade die EU weiten Teilen Europas seit 70 Jahren Frieden und Wohlstand gebracht hat; insbesondere uns in Deutschland. Offenbar wird den großen etablierten Parteien nicht mehr so richtig zugetraut, dass sie die wichtigen vor uns liegenden Probleme lösen können. Welche diese sind, liegen offen auf der Hand: Klimawandel, Altersversorgung und Wohnen. Ich würde noch die berufliche Bildung hinzuziehen. Doch der Reihe nach.

 

Der Klimawandel wird wohl das gravierendste Problem werden, da er global und sehr langfristig wirkt. Das heißt: Klimafolgen selbst weit von uns entfernt werden Auswirkungen auf unser Leben vor Ort haben. Das Paris-Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf +1,5°C zu begrenzen bedeutet ja nicht, dass der Klimawandel damit beendet ist. Der Meeresspiegel wird beispielsweise weiter steigen und Menschen vertreiben. Selbst wenn es den Regierungen gelingen sollte, Maßnahmen vorzuschlagen, heißt das leider nicht, dass die Bevölkerungen mitspielen werden. Erhöhungen von Benzinpreisen, getarnt als CO2-Steuer, haben schon in Frankreich und Schweden die Leute auf die Straße getrieben. Der hiesige Vorschlag, eine Steuererhöhung durch eine Senkung an anderer Stelle auszugleichen ist nun wirklich keine geniale Idee zum Schutz des Klimas. Eine CO2-Steuer ist nur sinnvoll, wenn die so erwirtschafteten Mittel beispielsweise eingesetzt werden für die Errichtung einer Strominfrastruktur für die Elektromobilität. Zwar liebt es niemand, wenn Steuern erhöht werden, man darf aber nicht vergessen, dass Steuern ein Solidarbeitrag des Einzelnen zur Unterhaltung des Gemeinwohls sind; von dem er selber profitiert. (Wenn die Politik damit sorgfältig umgeht.) Und von nix kommt nun mal nix. Global zum Verzicht zum Zwecke der „Rettung des Klimas“ aufrufen ist zwar gut gemeint, aber so etwas kommt sicher nicht nur in der Dritten Welt gut an. Worauf soll schon derjenige noch verzichten, der wenig oder nichts hat?

 

Altersvorsorge und Wohnen sind zwei Dinge, die in vielen Fällen zusammenhängen. Ein sich ausweitender Niedriglohnsektor und steigende Mieten ist etwas, was nicht zusammenpasst. Niedrige Löhne ziehen niedrige Renten nach sich. Eine zusätzliche Altersvorsorge können sich nur diejenigen leisten, die ausreichend verdienen. Wer diese sich leisten kann, sollte frühzeitig darüber nachdenken und handeln. In Zeiten sehr niedriger Zinsen, und daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern, bietet sich beispielsweise ein Investment in offenen Fonds an. Natürlich ist eine Immobilie, selbst genutzt oder vermietet, ebenso eine Investition in die eigene Zukunft. Letztere ist allerdings nicht nur eine Investition in die eigene Zukunft, sondern auch eine Sozialleistung für andere.

 

Fachkräftemangel: Auch wenn bestimmte Kreise gerne dunkle Wolken an den Konjunkturhimmel malen: Die Auftragsbücher der Handwerker sind langfristig voll. Doch schade, dass quasi jede/jeder nur noch studieren möchte. Ob nun die Schulnoten dafür ausreichen - oder auch nicht. Mit der Konsequenz, dass wir einfach zu wenig Handwerkerinnen und Handwerker haben. Hinzu kommt, dass die Löhne im Handwerk nicht so attraktiv wie in anderen Bereichen sind. Ob es nun sinnvoll ist, Fachkräfte aus anderen Ländern abzuwerben, die dort ja auch gebraucht werden, ist sowohl ökonomisch wie auch politisch fragwürdig, wie man an den Ländern Osteuropas sieht.

 

Fazit und Empfehlungen: Sie sehen, die Zukunft wird weiter turbulent bleiben und ihre Auswirkungen auf die Börsen haben. In solchen Zeiten gilt es, nicht den Kopf zu verlieren. Wir müssen überlegen, was uns wichtig ist, was uns stark macht und dafür sorgen, dieses zu bewahren, bzw. weiterzuentwickeln. Angela Merkel hat in ihrer Rede in Harvard darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die eigene Geschichte zu reflektieren und sich Neuem nicht zu verschließen. Die Zukunft liegt nicht in der Wiederholung der Irrwege der Vergangenheit! Gerade in Europa ist dieses besonders deutlich. So wie dieses im Großen gilt, gilt auch dieses für jeden Einzelnen von uns. Reflektieren Sie, wie Ihr persönlicher Wohlstand zustande gekommen ist, was bislang gut gelaufen ist, was nicht, und welche Lehren sich daraus für Ihre persönliche Zukunft ergeben. Und interessieren Sie sich auch immer für das, was um sie herum geschieht.

 

Sie wissen, dass eine Anlage in Fonds immer langfristig zu betrachten ist. Sie wissen, dass Angst und Panik immer schlechte Ratgeber sind. Stattdessen gilt: In der Ruhe liegt die Kraft! Und: Wer einen langen Atem hat, wird am Ende - hoffentlich - auch belohnt! Hinzu kommt, dass sich die meisten Fondsmanager nicht von -historisch gesehenen - kurzfristigen Ereignissen wie ein BREXIT oder ein Donald Trump aus dem Konzept bringen lassen. Stattdessen steht im Vordergrund: Wie sieht es mit dem weltweiten Wirtschaftswachstum aus? Sind die jeweils einzelnen Unternehmen immer noch fair bewertet? Beides ist zumindest aktuell der Fall – und auch für die nächste Zukunft scheint es weiterhin so zu bleiben.